verletzte Wildvögel

Worauf achten, wenn man einen verletzten Wildvogel gefunden hat?

 

Wildvögel sind für Stress noch anfälliger als an Menschen gewöhnte Ziervögel und unter Schock stehende Vögel können durch zu viel Hantieren getötet werden. Wenn an dem Vogel keine Anzeichen für eine Blutung oder Schock zu beobachten sind, sollte sich der Vogel zunächst einige Zeit erholen (an einem ruhigen, abgedunkelten Ort).

Wichtig bei der Untersuchung (das gilt allerdings auch für Ziervögel bzw. alle Tierarten, ist eine systematische Vorgehensweise)

Bei der Untersuchung des Vogels wird man erst auf äußerlich sichtbare Veränderungen achten. Solche Veränderungen können sein:

  • Asymmetrie (Sind beide Flügel in ihrer Normalstellung? Einhängender Flügel kann ein Hinweis auf einen Knochenbruch sein.)
  • Ausfluss: Hierbei sind insbesondere Augen und Nasenöffnung zu beachten. Ausfluss aus den Augen kann auf eine Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis) und Nasenausfluss auf eine Atemwegserkrankung hindeuten.
  • Köperhaltung: Kopfschiefhaltung ( Gehirnerschütterung oder eine ernsthaftere Infektionskrankheit); gelähmte Körperhälfte
  • Gefieder : Gesträubtes Gefieder ist ein Zeichen für allgemeines Unwohlsein; verschmutztes Gefieder : im Kloakenbereich eine Hinweis auf Störungen des Verdauungsbereiches; verschmutztes Gefieder im Schnabel- und Kopfbereich: möglicherweise hat der Vogel erbrochen oder es liegt eine Atemwegserkrankung vor; schlecht gepflegtes Gefieder ist ein allgemeines Zeichen dafür, dass der Vogel sich nicht wohlfühlt; fehlende Federn können auf eine Verletzung, Parasitenbefall oder eine Verhaltensstörung ( eher beim Ziervogel zu finden) hinweisen.

 

Wenn sich der Vogel etwas beruhigt hat und keine offensichtlichen, lebensbedrohlichen Erkrankungen vorliegen, beginnt man den Vogel genauer zu untersuchen.

 

Die Untersuchung beginnt am Kopf; hierbei achtet man besonders auf Augenverletzungen, da von ihnen möglicherweise das Überleben des Vogels abhängt. Wildvögel, die eine so schwere Verletzung haben, dass sie nach Genesung nicht mehr eigenständig in der freien Wildbahn überleben könnten, sind aus Gründen des Tierschutzes zu euthanasieren. Diese Beurteilung fällt allerdings in die Verantwortung des Tierarztes.

Des Weiteren sollte man sich die Pupillen anschauen (ungleich große Pupillen können ein Zeichen für eine Gehirnerschütterung sein). Abschürfungen im Beriech des Kopfes sind zu untersuchen und der Schnabel muss auf das Vorhandensein von Verletzungen geprüft werden.

Danach wird der restliche Vogelkörper untersucht. Verletzungen verbergen sich möglicherweise unter verklebten Federn. Ist das Brustbein leicht zu ertasten und kaum Brustmuskulatur vorhanden, ist der Ernährungszustand des Vogels schlecht; er ist abgemagert.

Beide Flügel auf Verletzungen wie Brüche oder Wunden untersuchen. Die Flügel werden untersucht, in dem die Flügelspitze vorsichtig vom Körper weggezogen wird.

Dann die Beine auf Knochenbrüche untersuchen.

Man sollte bei der Untersuchung von Wildvögeln sollte man sich bewusst machen, dass die Wildvögel unter Umständen Krankheitserreger in sich tragen, die für Ziervögel gefährlich sein könnten. Wenn Sie also Ziervögel zu Hause haben, sollten Sie vor einem erneuten Kontakt mit diesen Vögel auf jeden Fall mindestens die Hände waschen. Ist Ihre Kleidung durch den aufgefundenen Wildvogel verschmutzt, dann sollte auch sie gewechselt werden.

Im Sommer werden immer wieder vermeintlich flugunfähige Mauersegler in Tierarztpraxen und Tierkliniken abgegeben. Wenn man einen Mauersegler auf dem Boden liegend findet, dann sollte man ihn vorsichtig aufheben und dann in die Luft werfen (behutsam, nicht schleudern). In vielen Fällen wird der zuvor „flugunfähige“ Vogel munter davon segeln. Mauersegler sind nämlich nicht in der Lage, vom Boden aus zu starten. Landen sie irgendwann mal auf dem Boden, dann kommen sie von dort aus eigener Kraft nicht wieder hoch. Sollten Sie merken, dass der Vogel tatsächlich flugunfähig ist, fangen Sie ihn bitte rechtzeitig wieder auf.